Mittwoch, 5. märz 2008

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

 

 

Schuldig oder nicht schuldig

 

Erkenntnisse eines ehemaligen Mitarbeiter des MfS der DDR

 

1. Für Was und Wofür ich mich entschuldige und für Was u. Wofür

nicht.

 

2. Einteilung in Kategorien

 

3. Wer ich bin

 

4. Warum tu ich mir das an

 

5. Wie viele Wahrheiten gibt es zu ein und derselben Sache?

 

6. Zu Punkt 5 Dialog mit einen Opfer

 

7. Um Punkt 4 zu erklären, schildere ich einige Erlebnisse

 

 

Ca. 1% der Bevölkerung der DDR wurde durch uns überwacht.

Ca. 1% der Bevölkerung der DDR hat mit uns zusammengearbeitet

       (davon ca.80% freiwillig, 20% aus anderen Gründen).

Ca. 98% der Bevölkerung hatte mit uns keine Probleme und wir    

       keine mit ihnen.

Nur noch mal ganz kurz zur Prozenteinschätzung.

 

Die obige Statistik ist mit Sicherheit nicht exakt, wie denn auch, ich hatte keinen Zugang für eine diesbezüglich genaue Auswertung. Aber es trifft es ungefähr. Es ist jedenfalls immer noch exakter,  als z.B. alle getroffenen Einschätzungen zu durchgeführten Wahlen oder Demonstrationen aller Art seit der Wendezeit.

Nur einige Beispiele: "Wir sind das Volk", oder " Bei der 1. Freien  

                                   Volkskammerwahl wählten die Ostdeutsch.

                                   mit überwältigender Mehrheit CDU" oder,

                                  "Die Sachsen wollen von der CDU regiert

                                   werden", usw.usf.

 

Oder aus der jüngsten Vergangenheit: Die Wähler wollten die große Koalition."

Selbst wenn ich mit meiner obigen prozentualen Einschätzung ein wenig daneben liegen sollte, zu solch abwegigen Schlussfolgerungen betreffs Wahlverhalten der Deutschen zu kommen, ist schon abenteuerlich.

Nehmen wir 70% Wahlbeteiligung und davon die Mehrheit für die CDU, also ca.55%, dann sind das wie viel % vom Deutschen Wählervolk? , na?, genau...ca. 37%. Und das trifft für alle fatalen Fehleinschätzungen zu, wie u.a. eben auch "Wir sind das Volk, das Volk der DDR wurde tyrannisiert, verfolgt, bespitzelt" usw.

Ein bisschen was wahres ist immer daran, aber mehr wirken  immer die Lügen, das kroteske, das schreckliche, das gruselige, ein bisschen Horror usw.

Ebenso die Schlussfolgerung der Politikführung Deutschlands zur letzten Wahl: Die Deutschen Wähler wollten die große Koalition. Wie geht das denn? Ich habe nichts von einen Aufruf gehört, wo mitgeteilt und organisiert wurde, dass so und soviel Wähler CDU und so und soviel Wähler SPD wählen sollen. Noch aufwändiger war es bestimmt, festzulegen, wer die kleineren Parteien wählen sollte, damit auch wirklich nichts schief gehen kann mit der Grossen Koalition.

 

Was mich seit der Wendezeit bis jetzt sehr bewegt hat ist die Frage, gab es eine Siegerjustiz.

In vielen Auseinandersetzungen mit "Artgenossen", Sympathisanten usw., kam ich zu der Überzeugung, nein, die gab es nicht. Zumindest  seitens der Westjustiz nicht so gewollt, wie es mit Sicherheit die ostdeutschen Siegerreformisten gern gewollt hätten und auch  gefordert hatten. Das es also nicht zu schlimmen Schauprozessen gekommen ist, muss ich schon gerechterweise der objektiven Sichtweise westlicher Rechtsauffassungen zugestehen. Ebenso verhält es sich mit der Problematik der "Zwangsvereinigung".

Das ist ja absoluter Quatsch. Warum sollte mich bsw. eine Frau zum Sex mit ihr zwingen, wenn ich schon so lange auf eine derartige Gelegenheit warte?

Die Siegerreformisten bedauerten lediglich, dass sie uns, die Verbrecher, in die Einheit mitnehmen mussten. Aber entgegen allen Erwartungen sage ich es jetzt:

" Es ist uns auch nicht schwergefallen"

Ist doch eigenartig, stimmts? Ja, wir waren bereit, uns zu integrieren und umzuorientieren. Oder kennt evt. jemand ein Beispiel, dass sich ehemalige MfS Leute zum Terroristen entwickelt hätten?.

Aber das nur zur Einführung 

 

  

Um es gleich vorweg zu nehmen, mir ist nicht bekannt, ob sich

irgendwann oder irgendwo ein ehemaliger Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit öffentlich, oder, so wie ich, auf diesem Weg, für etwas entschuldigt hat, was er während seiner Dienstzeit im Rahmen der Erfüllung seiner Aufgaben, bereuen müsste, oder ob er anderen Menschen Leid zugefügt hat. Ich hatte auch absolut kein Interesse, herauszubekommen, ob es jemand getan hat oder nicht

Ich vertrete meine eigenen Ansichten und Einsichten.

Und das hat auch seinen Grund:

 

Jeder Mitarbeiter dieser Zeit, muss für sich selbst herausfinden, ob er sich bewusst außerhalb der DDR-Gesetzgebung bewegt hat oder nicht. Und nur das zählt, nichts anderes. Ich behaupte, dass sich ab der mittleren und unteren Leitungsebene, bis zum letzten, offiziellen Mitarbeiter des MfS, in Ausübung der ihm auferlegten Befehle und Weisungen, keiner für irgendeine Form individueller Schuld, schuldig fühlen muss. Vorausgesetzt, er hat sich nicht aus purer Karrieregeilheit schuldig gemacht Einige Schlaue werden natürlich jetzt wieder sagen: "Das kennen wir: wir haben ja nur Befehle ausgeführt", oder“: davon habe ich nichts gewusst."

 So leicht werde ich es mir nicht machen. Diese Sprüche hatten vielleicht zu Zeiten der Abrechnung mit dem Naziregime ihre Berechtigung (oder auch nicht), aber dazu komme ich noch. Also, diese Sprüche zu verwenden wäre von unserer (meiner) Seite im Umgang mit DDR- u. MfS Aufarbeitung ziemlich dümmlich und zeugt davon, dass die, die dies doch aussprechen, kein echtes Interesse an Aufarbeitung haben, oder es in dieser, jetzigen Gesellschaft so satt haben, dass sie jeden zum Teufel wünschen.

 

Aber eins sage ich auf jeden Fall jetzt:

 

Ich schäme mich aufrichtig und ehrlich,

 

für die arrogante, dümmliche und teilweise verblödete, auf eine völlig danebenliegende und permanente Fehleinschätzungen beruhende Politik einiger Führungskräfte von Partei und Staatsführung der DDR. Auch aus den eigenen Reihen. Und daraus und nur daraus lässt sich die Verantwortung von Mitarbeitern des MfS ableiten. Ich werde mir nicht anmaßen, die Verantwortlichkeiten hoher Führungsoffiziere des MfS zu bewerten. Das tun sie selbst oder auch nicht. Es gibt dazu einige Internetseiten. Aber das ist deren Einschätzung und die brauche ich nicht, weil sie meines Erachtens zu sehr nach Rechtfertigung riechen. Ich schäme mich aufrichtig und ehrlich für Fehleinschätzungen und den daraus resultierenden Maßnahmen gegen Menschen vorzugehen, die die DDR verbessern wollten, aber sich nicht ins Konzept der o.g. Kategorie von dümmlichen, arroganten usw...Politiker zwängen lassen wollten und sie dadurch in ihren Menschenrechten und ihrer Menschenwürde verletzten, demütigten.

 

 

Ich schäme mich aufrichtig und ehrlich,

 

für die völlig verblödeten Maßnahmen gegen ausreisewillige Personen nach WD zur damaligen Zeit. Tage und Nächte haben wir hilflos und aus absolut subjektiver Sichtweise damit zugebracht, zu bewerten, wer sollte übersiedeln dürfen und wer nicht. Aber was für hervorragende Menschen sind uns damit verlorengegangen. Und das nur weil es die o.g. arrogante. usw. Politik nicht vermocht hatte, aus dieser einmaligen ( zumindest die nächsten Jahrzehnte) gebotenen Chance, die uns die Geschichte gegeben hatte, mehr zu machen.

 

Ich schäme mich aufrichtig und ehrlich und das aus tiefster Seele,

 

für das armselige, hilflose, peinliche und beschämende Auftreten unseres Ministers Mielke vor der Volkskammer. Ich sage es ganz ehrlich, ich habe geheult. Aber nicht weil er mir leid tat. Ich habe geheult, weil mir ab dem Moment das klar geworden ist, was ich bisher geschrieben habe. Mir gingen dabei die bis dahin abgelaufenen 4 Jahrzehnte DDR Geschichte durch den Kopf (dazu mehr in: Wer bin ich.) Soweit vorerst dazu, wofür ich mich schäme und entschuldige

 

Jetzt das, wofür ich mich nicht schäme und in keinster Weise entschuldige

 

 

1. Nie und nimmer werde ich mich dafür entschuldigen, dass ich mich für die Umsetzung der Inhalte der Verfassung eingesetzt habe. Einer Verfassung, die tausend mal besser war als die jetzige. Aber sie war leider nur beschriebenes Papier.Und ich spreche jedem das Recht ab, der diese Grundprinzipien für unser ( besser: mein) Handeln nicht gelesen hat und damit niemals nachvollziehen kann, wie ich 25 Jahre lang, Sinn und Inhalt, Moral und Anspruch, Ehre und Entbehrungen, Erniedrigungen und Demütigungen, Disziplin und maximaler Einsatz, mit meinen Gewissen vereinbaren musste und auch wollte. Mir kommt der Kaffee von vor 15/16 Jahren hoch, wenn ich daran denke, in welch dümmlicher, einfältiger Art und Weise eine Vielzahl der Runden Tisch Mitglieder von damals, sich anmaßten, über Privilegien ehemaliger MfS Mitarbeitern zu richten. In diesen Zusammenhang muss ich nochmals erwähnen- ich spreche nur von dem was ich weiß, also von der mittleren und unteren Leitungsebene bis zum op. Mitarbeiter. Ob die höheren und obersten Leitungsebenen welche hatten, weiß ich nicht, ist aber auszuschließen, denn für Geheimdienstmitarbeiter des MfS im allgemeinen und im besonderen galt das Gesetz: Wer sich ohne dienstlicher Notwendigkeit Vorteile anmaßt, wird bestraft. Und wie dies aussah, kann, wer will, nachlesen in: Wer ich bin. Sollten andere Privilegien bekanntgeworden sein, dann waren dies mit Sicherheit illegale. Wir hatten nur ein Privileg und das war unser Eid: Tag und Nacht einsatzbereit zu sein, die persönlichen Interessen unter denen der Politik von Partei und Regierung zu stellen, seine Moral und Lebensweise den kommunistischen Idealen anzupassen usw. usf. . Kleine Abweichungen davon wurden getadelt, größere wurden bestraft und das mit aller Härte. Und hier weiß ich am besten wovon ich spreche. Aber dazu später. Bei dieser Gelegenheit sei mir die Frage gestattet: Wer war freier in der DDR? Ich schildere hier nur Fakten und möchte nie und nimmer den Eindruck erwecken, dass auch wir (oder ich) auch so was wie Opfer waren, höchsten im philosophischen Sinne wäre dies zu überlegen.

 

2.Ich kann und werde mich nicht dafür entschuldigen,

  was außerhalb meines Verantwortungsbereiches geschehen ist. Was z. B. im Rahmen des Missbrauches der edlen Ziele kommunistischer Ideale geschehen ist. Aber ich kann mich dafür schämen. Übrigens, die Christen brauchen sich hier auch nicht auf die Schultern klopfen. Die Geschichte strotzt geradezu von Massakern, die im Namen der Christenheit an unschuldigen Völkern geschehen sind. Genauso wie es im Namen des Kommunismus geschehen ist. Und wenn ich von Edel und Ideale spreche meine ich nur deren philosophischen Gehalt und nicht den wissenschaftlichen, denn da habe ich auch meine Zweifel, ob der historische und dialektische Materialismus mit all seinen Gesetzmäßigkeiten dem Absoluten näher kommt, oder nicht doch die hegelsche Dialektik den kommenden Fortschritt oder kommende Gesellschaften, besser interpretiert. Aber wesentliche Bestandteile des Marxismus haben sich in der Gegenwart voll und ganz bestätigt.

 

Ich kann und werde mich natürlich nicht dafür entschuldigen,

 

was für abartige Erscheinungsform der Stalinismus, der chinesische Vertreibungs- - u. Vernichtungswahn oder Pol Pot und was weiß ich, was es noch für perverse Personen waren, die die echten und guten kommunistischen Ideale missbraucht und verraten haben. Aber ich kann mich dafür nur schämen. Bei dieser Gelegenheit darf man doch auch mal fragen, wer war oder woher kamen Hitler, Pinochet, wie viele Menschen mussten sterben durch die USA Politik? Mit Sicherheit kann ich dazu sagen, dass dies keine Kommunisten waren. Aber das ist auch eine andere Geschichte.

 

2.Wer waren die Obertrottel

 

Ich verbinde diese Bezeichnung nicht mit der Beschreibung eines einfältigen Menschen und es hat auch nichts mit Menschen zu tun, die aufgrund genetisch oder anders bedingter Veranlagungen so sind, wie man sie eben zu beschreiben versucht. Ich möchte damit nur meine Verachtung zum Ausdruck bringen für Menschen, die mein Schicksal bestimmt haben als sie es Kraft ihrer Macht, Stellung, Autorität und Befehlsgewalt konnten. Man nehme es mir jetzt nicht übel, wenn ich diese Personengruppen in die von mir ausgewählten, vielleicht nicht besonders schön klingenden Kategorien unterteile. Aber das bringt meine persönliche Verachtung am Besten zum Ausdruck. Ich möchte diese Personen auch nicht beleidigen und tue ihnen vielleicht auch Unrecht. Ich will damit sagen, es ist ein von mir rein subjektiv empfundenes Bild, was ich entwerfen will und hat nur mit meinen persönlichen Empfindungen und Erfahrungen zu tun. Denn die allermeisten Eindrücke konnte man ja nur zur Wendezeit und in den Folgejahren erhalten. Denn vorher waren sie ja alle unerreichbar, unnahbar und steril gehalten. Ich bin nur einem persönlich begegnet und das war Walter Ulbricht. Aber das ist auch eine andere Geschichte. Nun meine Kategorien: Und bitte nicht böse sein, es klingt nicht fein. Aber ich beziehe mich ja selbst auch mit ein.

 

Kategorie I: Die Oberwichser (also Obertrottel)

 

Zur Stufe der Oberwichser gehören Personen, die oberste Partei u. Regierungsverantwortung getragen haben. Also Parteichefs, Regierungschefs, sowie Mitglieder des Staatsrates und des Politbüros( aber natürlich waren dabei nicht alle Oberwichser, es gab logischerweise auch Vernunftbegabte)

 

Kategorie II: Die Unterwichser

 

Dazu gehören alle Minister, ZK Mitglieder, Bezirksparteichefs und MfS Chefs usw.

Kategorie III: Die Gemeinen Wichser

Dazu gehören in abgestufter Form alle mittleren und unteren Leitungs- u. Führungskaderebenen aller gesellschaftlichen Bereiche wie Parteien, Organisationen in Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur usw. usf. Also, nun zu den Oberwichsern

 

Namen werde ich nur von denen nennen, wo ich der Meinung bin, dass sie wichtig für meine damalige und jetzige Meinungsbildung, für mein tägliches Handeln und für mein allgemeines Verhalten waren oder jetzt sind. Ich habe mir schon immer überlegt, was wohl aus einem ganz normalen Menschen, einen Oberwichser werden lässt. Nehmen wir mal das Beispiel Erich Honecker. Über die Stationen normale Schulausbildung, dann Dachdecker, übernahm er eines Tages die höchste Führungsfunktion die ein Land oder Staat zu vergeben hat. Er galt als Antifaschist ( was nach heutiger Kenntnis nur subjektiv gesehen werden kann) und hatte, wie auch seine Vorgänger, die einzigartige historische Chance, die kommunistischen Ideale umzusetzen. Und ich sage es jetzt letztmalig: Ich meine damit die kommunistischen Ideale nach Wort und Buchstabe und nichts anderes. Kein einziger Mensch kann jemals behaupten, er wisse, wie ernst es damit bei Honecker war. Ich glaube, nicht einmal Margot wusste es und schon gar nicht der Rest der Menschheit. Aber wir alle kennen das Ergebnis, das Ende und die Zwischenergebnisse auf dem Weg zum Ende, und nur das zählt. Also war er ein Oberwichser. Nicht das Ende war schlimm, die Gründe, die zum zwangsläufigen Ende führen mussten, waren schlimm. Die einzelnen Abschnitte dazwischen waren schlimm. Schlimm war, wie er als Oberwichser Schicksal spielen konnte. Wie die Unterwichser ihn hofierten, wodurch er zwangsläufig ein immer größerer Oberwichser wurde. Schlimm war, dass er viele aufrichtige Menschen missbrauchte, wie er sie zum heulen brachte , weil sie sich den echten kommunistischen Idealen verschrieben hatten und es nicht die Spur einer Chance gab, dies zu realisieren. Ich behaupte: Alle Chefs der Ostblockstaaten waren absolute Oberwichser, also auch Gorbatschow. Warum auch ER?. Weil er es als letzter Oberwichser noch in der Hand hatte, einen anderen, einen besseren Staat zu schaffen. Weil alle Staaten so enden, auch die Demokratischen, stellt sich die Frage, wie viel Jahrzehnte oder Jahrhunderte muß die Menschheit noch warten, bis es keine Oberwichser mehr gibt. Denn gibt es keine Oberwichser mehr, fallen auch die unteren Wichserkategorien weg. Und das hat bisher nur einer festgestellt, mein größter Star unter allen Denkern, nein, nein, nicht etwa einer aus der Gegenwart, denn dazu ist die jetzige Menschheit viel zu verblödet, mein großer Star ist :P L A T O N. Ich hoffe, da ich mit ihm aus verständlichen Gründen nicht selbst sprechen konnte, dass die von ihm bekannten Werke auch tatsächlich so wiedergegeben wurden, wie er sie verfasst und gedacht hat. Denn sonnst liege ich auch falsch Er konnte natürlich damals, vor ca.2500 Jahren noch nicht wissen, was die Oberwichser nachfolgender Jahrhunderte alles anstellen werden um der sich ihnen anvertrauenden Menschheit zu sagen wie es langgeht. Und einige dieser Oberwichser haben natürlich auch Plato gelesen, das gehörte zum guten Ton. Aber umgesetzt habe diese Trottel nur das, was für sie persönlich nützlich war. Plato wusste schon damals, (aber was heißt den schon damals, denn solche Denker wussten mehr als alle Oberwichser der Neuzeit zusammengenommen)wie man einen Staat zum Wohle aller Menschen aufbauen und organisieren musste. Er hat aufgezeigt, warum sich zwangsläufig aus solchen Gesellschaftlichen Organisationsformen wie Monarchie- Aristokratie- und das sich(das konnte er damals noch nicht genau definieren aber vergleichbar mit parlamentarische Formen) solche Entartungsformen(Plato) wie: Oligarchie-Demokratie und, na was, genau Diktaturen zwangsläufig und gesetzmäßig herausbilden und hat auch in einer herrlichen Klarheit und Deutlichkeit gezeigt W A R U M

Jetzt könnte man ja sagen, na gut, da können ja die Oberwichser von heute auch nichts dafür, denn die Evolutionsgeschichte zwingt ihnen ja ein solches Regieren auf, ohne es zu wollen Aber sie wollten bewusst Plato nicht vollständig kapieren, denn er hat aufgezeigt, wer und wie die Menschheit regiert werden muss. Aber diese Wege zu beschreiten war zu anstrengend und nicht angenehm, als wurden sie zu den Oberwichsern, die die Geschichte leider kennen lernen musste. Ich entschuldige mich jetzt nochmals, bei all denen, die vor- zur- und nach der Wendezeit ehrlich gemeinte Reformen zum Nutzen unserer Menschen aufrichtig wollten. Warum es nicht geklappt hat, habe ich kurz mit Plato erklärt. Aber ich bin mir sicher, dass es ebenso viele Reformisten dabei gab, die man getrost in die o.g. Kategorien einordnen kann und die bereits die Stufen von I bis II besetzt haben. Es macht aber keinen Sinn, diese zu benennen.

Aber jetzt muss ich noch mal zur Oberwichserstufe kommen, die abgetreten sind. Honecker habe ich bereits genannt. Mehr ist zu ihm nicht zu sagen, da er nach der Wende verschwand. Ein anderer dieser Gilde ist noch da und äußert sich gelegentlich. Es ist Herr Schabowski, ein Oberwichser in Reinstform. Wer ihn kennt, weiß was für Funktionen er ausgeübt hat. Nur soviel- er gehört ganz klar zur obersten Kategorie. Er ist vergleichbar mit Vertretern der Grünenpartei von heute. Die Grünen können nach ihrem Verständnis von Parlamentarismus nicht verstehen, wie sich eine Regierung, die sich z. B gegen jede Form einer irakischen Kriegsbeteiligung ausgesprochen hat und damit eine Wahl gewonnen hat, jetzt in Erklärungsnot zu Vorwürfen gegen ihren Geheimdienst sieht. Plötzlich klatschen sie sich mit der Hand an die Stirn und sagen: stimmt doch, hab ich ganz vergessen, ich habe doch zu dieser Zeit mitregiert. Und genau das trifft für Schabowski zu. Ich kenne seine Beweggründe nicht warum er sich nach der Wende so und nicht anders geäußert hat. Aber ich glaube, dass sich seine ehemaligen Weggefährten angeekelt von ihm abgewendet haben. Aber nicht etwa weil sie sich schämten , warum sie so und nicht anders regiert haben, denn dazu hatte Schabowski ja einiges zum Besten gegeben, nein weil er das eigene Nest beschmutzt hatte. Und das wiederum hat er nicht getan um sich zu entschuldigen für sein eigenes Oberwichserverhalten, denn nicht er, sondern die anderen warens.

 

Aus der Sicht eines ehemaligen Mitarbeiters des Ministeriums für Staatssicherheit

 

15.04.2006

 

Seit ich obiges geschrieben habe, sind einige Wochen vergangen und ich glaube nicht, dass sich irgendjemand für meine Mitteilungssucht interessiert hat.

Aber was solls, ich schreibe einfach weiter, langsam macht’s mir Freude, nicht zuletzt wegen des Auftrittes einiger meiner ehemaligen (allerdings in der Hierarchie weiter oben stehenden) Mitstreiter in Berlin vor einigen Tagen. Da ich nicht dabei war, kann ich dazu keine objektive Bewertung zum Verlauf und den tatsächlichen Ereignissen treffen. Aber ich bin mir sicher, dass es auch hier zu Verfälschungen seitens einiger Medienvertreter in der Berichterstattung gekommen ist. Das ist nicht verwunderlich und auch nicht tragisch.

Eigentlich wollte ich mich gar nicht um Dinge kümmern, die nicht unmittelbar mit meiner eigenen Vergangenheit zu tun haben. Aber mich interessiert in diesem Zusammenhang, warum reagieren die ehemaligen Offiziere des MfS so. Einige davon kenne ich ja selbst auch. Warum tun die sich so was an? . Mit Sicherheit ist es völliger Quatsch anzunehmen, es sei eine Bewegung mit dem Ziel im Gange, die Geschichte zu korrigieren. Das wollen sie mit Sicherheit nicht, dafür gibt es nicht genügend Mitstreiter, aber sie fühlen sich in ihrer Ehre verletzt und angegriffen. Mich hat das wenige, was im Fernsehen zu sehen war, aber amüsiert. Und ich musste wieder einmal feststelle, wie hilflos und primitiv ehemalige Vorgesetzte auf derartige Attacken reagieren. Das erinnert mich wieder an das beschämende Auftreten von Mielke in der Volkskammer 1989.Ist kein vertrautes Umfeld da, versagt ihnen der Geist Aber dass sie sich zur Wehr setzen, ist doch völlig klar und es gehört auch Mut dazu. Aber sie können sich nicht verteidigen. Ihnen fehlt der gehorsame Stab von Mitarbeitern, die sie damals täglich bekleidet hatten und jeden Befehlswunsch sozusagen von den Augen abgelesen haben. Ich kenne das, mir ging es selbst so.

Ich machte mir in den vergangenen Jahren zu dieser Problematik ständig Gedanken, warum waren wir so und nicht anders? Was hat uns dazu gebracht?

Jeder, der in irgendeiner Art militärischen Gehorsam und militärische Disziplin kennengelernt hat, wird wissen, wie sich allmählich ein gewisser Prozess im Denkverhalten der militärisch organisiert handelnden Personen als Folge von Erziehung, vollzieht und ausdrückt. Bis hierhin ist es ist überall auf der Welt gleich. Also, ob ich im ehemaligen Ostblock, der Nato, oder irgendeinem Negerlager militärisch tätig bin oder war, macht keinen Unterschied. Das kann auch nicht anders sein. Das ist auch nichts neues, also uninteressant. Aber spannend und entscheitend, und somit bestimmt interessanter wird es, wenn sich alle militärisch organisierten Personen einer täglichen, ideologischen Gehirnwäsche unterziehen müssen und die Ergebnisse mittels perfektem  Überwachungssystem analysiert und ausgewertet werden.

Und ich behaupte: Da waren wir Weltmeister und wir sind somit wieder beim Thema der o.g. Kategorien Oberwichser usw. und bei Platon, der dargelegt hat, warum wir uns so und nicht anders entwickelt haben, oder vielleicht sogar mussten (dialektisch gesehen).

 

Natürlich waren und sind alle Geheimdienste dieses Planeten dazu da, die jeweiligen Machtstrukturen ihrer Länder zu sichern ( ökonomisch u. politisch). Und da bietet sich natürlich den diktatorisch geführten Staaten ein einmaliger Vorteil gegenüber anderen Staatsformen. Die DDR-Führung hat ja nie behauptet, keine Diktatur zu sein. Also standen alle entscheidenden Mittel zum Ausbau eines wirkungsvollen Sicherheitsapparates zur Verfügung. Denn wer sollte uns stören?. Keine Opposition, keine machtbeanspruchende andere Partei usw. Aber das alles war keine Erfindung von Ulbricht, Honecker oder Anderen, nein, das alles stand in unserer Bibel, den Schriften der Klassiker des Marxismus-Leninismus.

Und ich sage es noch einmal: Wäre die DDR nicht von Oberwichsern (Obertrottel) geführt worden, dann hätte man auch aus den o.g. Strukturen,  eine lebenswerte Gesellschaft machen können. Ich meine damit die wortwörtliche Umsetzung einiger Lehren des M/L. Denn was ist am kommunistischen Ideal schlecht? Alles - würden Idioten sagen, die sich damit nicht befasst haben.

Aber dann kam die Wende 1989 und es geschah etwas ganz eigenartiges. Am liebsten würde ich ironischerweise sagen, dass kann nur was mit der Heißenbergischen Unschärferealisation zu tun haben, also weder Fisch noch Fleisch oder halbtot, halblebendig.

Gut, es ist nicht das Anliegen der obigen Organisatoren der Stasigedenkstätte auf die Befindlichkeiten und Wahrnehmungen ehemaliger MfS- Leute dieser Zeit einzugehen. Denn Horrorszenarien und andere Dinge verkaufen sich immer besser als unspektakuläre Aufklärungen. Aber das ist das wesentlichste überhaupt, wenn man gewillt ist, echte und ehrliche Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Natürlich müssen und sollen, menschenrechtsverletzende Aktivitäten des DDR- Staates gezeigt werden. Aber wie einfältig und dumm sind denn die Macher der Gedenkstätte, anzunehmen, wir als Mitarbeiter des MfS hätten die Aufgabe wahrnehmen müssen, gegen die Interessenlage von Partei und Regierung zu arbeiten? Sollten wir die im StGB der DDR geregelten Grundlagen für unsere Arbeit außer Kraft setzen? Dazu wäre noch sehr, sehr viel zu sagen.

 

Als ich im Fernsehen einige Aufnahmen der Gedenkstätte in Hohnschönhausen sah, kamen die Erinnerungen von vor fast 40 Jahren wieder, als ich genau dort als Wachsoldat des Wachregiments des MfS, eingesetzt war. Nicht innerhalb der Vollzugsanstalt, sondern als Bekleidkommando zur Abholung bestimmter Strafgefangener, die für Arbeitseinsätze ausgewählt waren. Zur Abholung der Häftlinge standen ein als mit "Sonderfahrt" gekennzeichneter Bus und ein für kleinere Gefangenentransporte geeignetes Fahrzeug bereit. Insgesamt konnten mit diesen Fahrzeugen ca.50 Gefangene transportiert werden.

 

Sollten das jetzt eventuelle Schlipsumbinder von heute lesen, höre ich sie schon schreien "da haben wir doch einen von damals". Denen muss ich aber sagen, es tut mir leid, ich war kein Verbrecher. Ich war gerade mal 18 Jahre, nur wenige Monate im WR und dann gleich so ein Einsatz. Und ich muss die Enttäuschung der Rollkragenträger noch vertiefen, ich werde kein Greulmärchen hinzufügen. Denn ich habe nichts derartiges dort gesehen. Und das ist die Wahrheit. Damit möchte ich nicht sagen, dass es keine Ereignisse gab, die man mit Recht anprangern könnte. Insbesondere dann, wenn es um Repressalien gegen politisch inhaftierte Menschen ging. Damit meine ich nicht die, zu dieser Zeit inhaftierten politischen Häftlinge, die von den Alliierten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen usw., hohe Gefängnisstrafen verbüßen mussten.

Wie in fast allen Gefängnissen dieser Welt, so waren auch an der Häftlingskleidung dieser Strafgefangenen, farbige Streifen zur Erkennung von Haftgründen angebracht.

Ich war schockiert, als ich zum ersten mal in den Innenhof des Gefängnisses trat. Die Beklemmung von damals, kann ich fast heute noch spüren.. Zum Innenbereich der Haftanstalt hatten wir keinen Zutritt  Nur Ab und zu waren Stimmen von irgendwoher zu hören. Es fiel mir auf, mit welch hoher Disziplin die Gefangenen gegenüber dem Haftpersonal auftraten.

 

Ich schreibe es jetzt noch einmal. Ich schildere das aus meiner damaligen Sichtweise. Also aus der Sicht eines 18/19 Jährigen, der zu dieser Zeit auch kein politisch-ideologisch gestählter Mensch war. Das ist wichtig für eine Bewertung. (Aber wahrscheinlich eher nur für die, die eine ehrliche Aufarbeitung wollen)

 

 Die beiden Fahrzeuge standen bereit, und aus einer offenen Tür traten dann die für den Bus bestimmten Gefangenen auf den Hof und mussten sich in einer Reihe zur Abzählung aufstellen. Anschließend gingen sie ins Innere des Busses. Wie gesagt, war der Bus als Sonderfahrt gekennzeichnet, nur das die Fensterscheiben mit weißer Farbe gestrichen waren, so dass die Insassen nichts von der Außenwelt sehen konnten. Die für den Bus bestimmten Häftlinge wurden vom Personal der Haftanstalt ins Innere bekleidet . Im Businneren führte ein schmaler Gang über die gesamte Buslänge und diente gleichzeitig als Abgrenzung zu zwei mit Metallgittern getrennten Räumen, in denen jeweils ca. 20 Häftlinge sitzen konnten. Das Wachpersonal, also wir, verblieben auf dem Gang. Das Schloss unserer  Schusswaffe ( eine Kalaschnikow) musste geöffnet werden, um sicherzustellen, dass sich keine Patrone im Lauf befand, danach wurde die Waffe gesichert.

Der Ablauf für das andere Fahrzeug verlief in ähnlicher Art und Weise. Im Bus hielten sich 6 Wachposten auf, im kleineren Fahrzeug 3. Ich war abwechselnd mal im Bus und dem anderen Fahrzeug eingesetzt. Je nach Straßenverkehr benötigten die Fahrzeuge ca. 45 Minuten bis zur Baustelle. Es war uns strengstens untersagt, während der Fahrt auf ein Gespräch mit den Häftlingen einzugehen. Da ich jetzt mit keiner Bestrafung mehr rechnen dürfte, kann ich sagen, dass wir uns an dieses Verbot nicht gehalten haben. Bedingung war aber, wir drei mussten uns natürlich kennen und das war auch so. Mag es grotesk klingen oder nicht, es ist mir egal, aber es war eben so: Wir hatten Spaß mit den Häftlingen und die offensichtlich auch mit uns. Wir steckten einigen von denen ganze Zigarettenschachteln zu und bemerkten auf einer eigenartigen Weise ein irres Gefühl tiefster Dankbarkeit dieser Menschen.

Im Bus hatten die Häftlinge keinerlei Möglichkeit irgendetwas von der Außenwelt mitzubekommen (außer den Geräuschen natürlich). Im kleineren Fahrzeug war das anders. Die unmittelbar am Metallgitter vorn sitzenden Häftlinge konnten in schräger Sichtweise durch ein kleines, vergittertes Fenster die Außenwelt wahrnehmen. Ich weiß es nicht genau, aber es muss sich  wohl bei mir etwas tief im Unterbewusstsein eingekeyt  haben. Ich meine die Gefühlslage von den Gefangenen, die Sicht auf die Häuser , Fahrzeuge und vor allem auf Menschen hatten.. Unter den Gefangenen gab es so was wie eine Rangordnung. Wer am längsten einsaß, hatte das Vorrecht, die Sicht durch das Fenster zu erhalten, es gab täglich auf der Hin - u. Rückfahrt  zur Baustelle ein ständiges Gerangel um die besten Plätze. Wir befürchteten schon, dass sich die ans Gitter gepressten  Menschen, ernsthaft verletzen könnten und mussten also einschreiten. Wenn wir das taten, herrschte sofort Ruhe. Bei den Gesprächen erfuhren wir von den Häftlingen auch viel von den Haftgründen. Voller Respekt zeigten sie immer wieder auf einen unauffällig wirkenden, alten Mann, der bereits 20 Haftjahre hinter sich hatte und als Kriegsverbrecher verurteilt war. Er zeigte keinerlei Interesse für seine Umwelt.

Ernsthafte Gefahren entstanden auch dann, wenn das Fahrzeug an einer Kreuzung halten musste. Dann war das Gitter größten Belastungen ausgesetzt , denn alle erhofften sich einen Blick nach draußen und dabei spielte natürlich das Thema Frauen die wesentlichste Rolle. Man muß nicht alles wiedergeben, was ein viele Jahre enthaltsam lebender Mann empfindet ,wenn er eine Frau sieht. Da fallen alle Worte, die im Sprachgebrauch dafür üblich sind. Und wir sahen immer wieder die Dankbarkeit in den Augen der Gefangenen für uns, weil wir sie nicht daran hinderten, soviel wie möglich davon zu sehen. Mehr konnten wir nicht tun.

Der überwiegende Teil der Häftlingen war wegen krimineller Delikte in Haft, einige waren wegen Kriegsverbrechen inhaftiert, der geringste Teil aus politischen Gründen. Die Gefangenen sahen sich aber alle als die Glücklichen an, die arbeiten durften und das an frischer Luft. Bei guten Leistungen auf der Baustelle wurden ihnen auch andere Vergünstigungen in Aussicht gestellt wie bessere Verpflegung, erhöhte Zigarettenration und im günstigsten Falle eine Haftverkürzung. Selbst die zu lebenslanger Haft verurteilten Schwerstverbrecher zeigten auf der Baustelle unglaubliche Leistungen.

Dazu muss ich einiges zur Baustelle und den spezifischen Sicherheitseinrichtungen sagen, wenn Strafgefangene zum Einsatz kommen. Als ich erstmals das Baustellengelände sah, fühlte ich mich in einen Film versetzt. Viele Filme haben natürlich einen Bezug zur Realität. Aber für den Betrachter bleibt es trotzdem ein Film, egal wie grausam es dabei zuging. Grausam ging es auf der von uns zu bewachenden Baustelle natürlich überhaupt nicht zu. Natürlich gibt’s auch keine kapitalistischen oder sozialistischen Sicherungseinrichtungen , also, die Mittel dienen dem Zweck. Überall auf der Welt

Bei dieser Baustelle handelte es sich um die Errichtung einer Kinder - u. Jugendsportschule am Stadtrand von Berlin. Also um ein Objekt humanen Charakters. Die gesamte Baustelle war umgrenzt mit einen ca.2,50 m hohen Bretterzaun, der absolut keine Sicht nach außen oder Innen zuließ. In regelmäßigen Abständen wurde der Zaun durch 6-8, ca. 3,00 m hohe Wachtürme unterbrochen. Zum Innenbereich zu, folgte ein ca. 2m breiter Streifen der begehbar war und einer besseren Sicht dienen sollte. Außerdem diente dieser Streifen für eine zusätzliche Bewachung durch Hunde. Weiter nach innen grenzte dann ein ca. 2 m hoher Stacheldrahtzaun an. Baufahrzeuge und die beiden Häftlingsfahrzeuge erreichten den Innenbereich durch ein großes Brettertor. Beim Befahren der Baustelle durch Fahrzeuge aller Art, wurden deren Unterböden mittels Spiegel abgesucht um damit zu verhindern, dass sich Strafgefangene auf diesem Wege aus dem Objekt entfernen könnten. Die Arbeitszeit war von 7.00 Uhr bis 16.30 Uhr. Die Häftlinge erhielten ihre zustehenden Pausen. Jede Stunde ertönte ein Pfeifsignal, als Hinweis für die Gefangenen, sich an einen festgelegten Punkt zu begeben, wo sie durchgezählt wurden.

 

Die Gefangenen erhielten für den gesamten Baustellenbereich die erforderlichen Verhaltensregeln mitgeteilt. Natürlich mussten wir immer damit rechnen, dass der eine oder andere Häftling die Flucht  riskieren könnte. Also wurde den Häftlingen gesagt, wenn sie sich aus irgendwelchen Gründen den Stacheldrahtzaun nähern müssen, z.B. wegen der Entnahme von Baumaterial, was dort lag, müssen sie sich unbedingt beim Wachturmposten melden, bleibt das aus, kann geschossen werden. Es war also nicht ungefährlich für die Häftlinge. Was mich unwahrscheinlich beeindruckt hatte, war der Fleiß, die Disziplin und die Härte dieser Menschen gegen sich selbst. Um positiv aufzufallen, rannten die Kräftigsten von ihnen mit voller Materialkarre die schrägen Bretterrampen hoch, und das über die gesamte Arbeitszeit. Es gab kein Herumstehen, keine übermäßigen Diskussionen oder andere Pausen. Der Grund dafür war natürlich ganz klar: sie wollten ihren Arbeitseinsatz nicht gefährden. Während der Fahrten von und zur Baustelle wurde uns ganz klar: diese Häftlinge hassten uns nicht.

Nach 8 Wochen Einsatz, wurden wir dort abgelöst und andere nahmen unseren Platz ein.

Ich habe nie wieder davon irgendwas gehört.

 

Heute, 40 Jahre später, wirkt das genau noch so wie damals, denn wie hätte ich es sonst so wahrheitsgetreu wie möglich, niederschreiben können. Aber die Geschichte kennt auch viele Ereignisse, wo Jahrzehnte später, aus den unterschiedlichsten Gründen, lang zurückliegende Fälle, wieder aufgerollt werden, weil aktuelle, neue Erkenntnisse evt. dazu beitragen können, damals ungeklärte Vorgänge aufzuklären. Man durchwühlt dann nochmals die aus dieser Zeit stammenden Akten mit den Täter u .Zeugenaussagen, polizeiliche Untersuchungen usw., um eine endgültige Klärung herbeizuführen. Bei Fällen allgemeiner Kriminalität betreibt man einen solchen Aufwand natürlich nicht. Anders sieht das aber bei Fällen schwerster Kriminalität (Massenmörder, Terror usw.) und bei politisch motivierten Tatvorgängen aus. Das nicht mehr ganz aktuelle Beispiel ist ja das von Erich Mielke. Er wurde ja bekanntlich wegen eines begangenen Mordes in den 30 iger Jahren verurteilt.( Totschlag ja, aber Mord ist sehr, sehr fragwürdig). Aber was soll’s. Jedenfalls ist er nicht wegen seiner jahrzehnte langen Funktion als Minister für Staatssicherheit verurteilt worden, was ja in den Augen der Schlipsumbinder ein unverzeihlicher Fehler war. An dieser Stelle ist wirklich einmal ein Lob für die deutsche Justiz angebracht, die , (nicht nur in diesem Fall, oder weil es auch um meine Vergangenheit geht),  sehr korrekt und soweit wie möglich, objektiv bewertet und geurteilt hat.

Aber worauf will ich eigentlich hinaus. Mein damaliger Einsatz ist ja nun mit Sicherheit keiner Untersuchung wert. Ganz klar. Aber für mich stellt sich dabei eine ganz andere Frage:

Trotz größter Anstrengung und fast bis an die Schmerzgrenze herangegangenem Nachdenkens, fallen mir keine weiteren, evt. wichtigen Begebenheiten von damals, ein. Habe ich also bewusst irgend eine wichtige Tatsache nicht erzählt?. Aus meiner Sicht nein. Ist dann meine Geschichte für die Geschichtsschreibung relevant, weil ich aus meiner Sicht die Wahrheit gesagt habe? Mal abgesehen von der Unwichtigkeit meine Story für die Menschheit, ist sie eigentlich nie und nimmer dazu geeignet. Wären wir DDR geblieben, dann sowieso nicht.

 

Schlagartig anders wird diese ganze Sache jedoch dann, wenn an irgendeiner Stelle der Gedenkstätte in Hohnschönhausen zu Vorgängen genau aus dieser Zeit und genau zum Bau der Kinder- u. Jugendsportschule, berichtet wird, wo die von mir geschilderten Abläufe eine bedeutsame Rolle spielen könnten. Es wäre doch durchaus denkbar, dass ein heute noch lebender Insasse von damals, sich zum Helden der heutigen Zeit gemacht hat und im Gegensatz zu meinen Darstellungen, ganz andere Aussagen trifft. Natürlich müssten dessen Erlebnisse mit den meinigen auch genau im 8 Wochenzeitraum meines Einsatzes passen. Aber wem, um Gottes Willen würde das schon interessieren. Es würde nur das Horrorszenarium des Häftlings zählen.

Und solche Geschichten gibt es seit der Wendezeit zu Tausenden. Und das ist es, was die oben Genannten auf die Palme bringt. Natürlich gab es viele Ungerechtigkeiten im Umgang mit politisch Andersdenkenden. Aber das dafür ausgedachte Strafgesetzbuch (StGB) wurde nicht von uns geschrieben. In der Umsetzung dieser Paragraphen haben sich mit Sicherheit bei uns welche mit besonderem Eifer hervorgetan. Das kenne ich. Heute sage ich dazu: "Das muss gefühlte Ideologie oder Charakterideologie" gewesen sein, wenn es denn so was gibt.

Das wurde gezüchtet .Das gab es wirklich. Das waren bei uns die sogenannten Karrieristen, eben, so wie heute auch.

 

 

 

von Dialektiker
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